Über uns

Schach im Herzen von Karlsruhe…

Herzlich Willkommen beim SC uBu!

Karlsruhe ist ein sehr starker Bezirk, mit über 30 Schachvereinen.
Unsere 1.Mannschaft pokalspielt ab der Saison 2013/14 in der Bereichsliga, die 2.Mannschaft in der A-Klasse. Der SC uBu ist zwar kein großer Verein, dafür aber ein sehr engagierter!
uBu bietet Jugendspielern und interessierten Schachfreunden ein sehr angenehmes und freies Umfeld. Statt eines “0815-Vereinslebens” erleben Sie bei uns Schach in einer spannenden und interessanten Form. uBu bietet übrigens jeden Samstag ab 13:00 Uhr kostenloses Schachtraining in der Gelbe Seiten Bar, Karl Friedrich Str.22, an.
Oder besuchen  Sie uns doch einfach mal Dienstags abends im K./Barco Ettlinger Tor Platz. In entspannter Atmosphäre können Sie sich dort gegen Gegner aller Spielstärken messen, oder auch nur ein wenig plaudern. Egal ob Sie Anfänger sind, oder schon ein “Alter Hase”, bei uns sind sie immer willkommen!

SC uBu A-Klasse Meister 2012!

SC uBu Meister der Bezirksklasse 2013!

 

Der SC uBu e.V. wurde am 07. Juni 2007 in der Galerie uBu (spricht man: übü) in Karlsruhe gegründet. Die Galerie uBu war schon seit eh und je ein Treffpunkt für Schachspieler. Unter den beiden Pächtern Hubert Eßer und Helmut Reimer erfuhren die im uBu beheimateten Schachspieler jedoch besonders viel Unterstützung. Das uBu bot den dortigen Schachspielern nicht nur eine tolle Location zum Schach spielen und der Durchführung von Turnieren, sondern spendete auch eine Menge Spielmaterial und Preisgelder für die Turniere. Für viele von uns war das uBu zur Schach-Heimat geworden, und so lag es nahe, dort einen eigenen Verein zu gründen. Leider verstarb völlig unerwartet im Oktober 2011 unser geschätzter Präsident Heiko Abendschön. Sein erklärtes Ziel war der Aufstieg der 1.Mannschaft in die Bereichsklasse. In der nächsten Saison ist es nun endlich soweit, der SC uBu mischt in der Bereichsklasse mit, auch dort haben wir durchaus Ambitionen!

Qui est Ubu ?

von Mathias Guthmann

In regelmäßigen Abständen wird mir von leicht irritierten Schachfreunden die durchaus berechtigte Frage gestellt: Warum nennt sich denn euer Schachclub SC uBu? Eigentlich sollte ich in solchen Situationen zu einem großen Glas Absinth greifen, es auf einen Zug leeren und dann ganz nonchalant 1.a4 ziehen. Aber nein, ich rücke meine Figuren elegant zurecht, und hämmere dann erwartungsvoll in die spannungsgeladene Turnieratmosphäre die Worte: „Jarry, Theaterstück, Père Ubu, Dada, Furz“.

Üblicherweise blicke ich dann auf die hochgezogenen Augenbrauen eines erstaunten Schachspielers, der mir verschwörerisch zunickt, dann aber wortlos und etwas verlegen an seiner Dame nestelt. Während der Verbandsspiele fehlt einfach die Muße für eine genaue und abschließende Antwort. Dazu müsste man entweder die Uhren anhalten, oder gleich ein Remis vereinbaren. Es ist also an der Zeit den Ursprung unseres Vereinsnamens literarisch zu beleuchten, ungeklärte Fragen zu beantworten, und unseren zahlreichen Schachfreunden die Möglichkeit zu geben, sich vorab ein Bild unseres Clubs zu machen…

Am Anfang stand ein Gag, ein Spaß, ein Schülerulk, eine Farce: der “Roi Ubu“ Alfred Jarry schrieb dieses Theaterstück im Alter von 15 Jahren, anfangs als Persiflage auf seinen fetten Physiklehrer gedacht. Jarry war ein äußerst begabter Theaterdramatiker, und höchst exzentrischer Bohème, der sich – im Radfahreroutfit und aufgemalter Krawatte– in den Bars und Cafés des Pariser Montmartre aufhielt. Er war, um genauer zu sein sogar der Star, der Held dieser bunten Gesellschaft, in der es erfrischend respektlos zuging, und nicht selten der eine oder andere Anarchist eine selbst gebastelte Bombe in irgendeinem Etablissement deponierte. Jarry griff dagegen des Öfteren auf seinen Fahrradtouren lieber zum Revolver, den er dann – anstatt eine Klingel zu läuten- abfeuerte. „Ist das nicht schön wie Literatur?“, pflegte er nach solchen Scherzen mit entwaffnendem Lächeln zu sagen. Das „Fin de Siècle“ war voller Skandale, so erschütterte z.B. die Dreyfus-Affaire ganz Frankreich und zog tiefe Gräben durch das Land. Emil Zola schrieb sein „J’accuse“, in England lief der Aufsehen erregende Unzuchtprozess gegen Oscar Wilde. Die Französische Regierung kultivierte zu jener Zeit zusammen mit der katholischen Kirche eine Politik der Unterdrückung, vergessen waren die Errungenschaften der Revolution, liberté, égalité, fraternité. Unliebsame Kritiker wurden ohne viel Federlesens in die Hölle der Strafkolonien entsendet, zudem war ein latenter Antisemitismus durchaus salonfähig geworden.

Nun taucht also genau zu jener Zeit die Figur des „Roi Ubu“ zusammen mit seinem Erschaffer Alfred Jarry auf der Pariser Bühne auf, und rechnet mit den Vorurteilen, mit den Ressentiments und mit der Koketterie der Bourgeoisie auf:

Die „absonderliche Erscheinung“, an der alles „absurd gekünstelt“ war, trank bei Tische „zwei große Wassergläser voll Absinth, ungemischt“. Nach dem Bankett bestieg „dieser Clown“ einen Stuhl, kündete in seiner „zerhackten, bizarren“ Sprechweise den Tod eines der Gäste an und richtete zugleich eine großkalibrige Pistole auf ihn. Dass er einen gewissen „Ruf als Schütze“ hatte, vermehrte noch die Panik der Gesellschaft.

So schilderte, nach einer von mehreren Zeugen verbürgten Begebenheit, Frankreichs Nobel-Dichter André Gide 1925 (in dem Roman „Die Falschmünzer“) den wohl kuriosesten Kauz unter seinen Schriftsteller-Kollegen – den Verfasser des genialischen Grotesk-Klassikers „König Ubu“ und Erfinder einer eigenen Privat-Wissenschaft, der „Pataphysik“ („Wissenschaft von den imaginären Lösungen“), Alfred Jarry (1872 bis 1907).

Alfred Jarry
Alfred Jarry
Alfred Jarry auf dem Velo
Alfred Jarry auf dem Velo

Ubu Roi wurde am 10 Dezember 1896 uraufgeführt. Schon das erste Wort „Merdre“, ein verballhornter Ausdruck für „Scheiße“, in etwa zu übersetzen mit „Schreiße“ oder „Scheißdre“ schockierte das Publikum.

Das Parkett tobte, es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, zu Boxkämpfen und Ohrfeigen. Der Darsteller des Ubu staccatierte -ähnlich wie Jarry selbst sprach -die Sätze ins Théâtre de L’Œuvre, der Tumult war ungeheuerlich. Erst als der Theaterdirektor das Licht löschte beruhigte sich das Publikum kurzzeitig, eine Ruhe die nur von kurzer Dauer war, denn das nächste „Merdre“ veranlasste die Zuschauer wiederum auf die Sitze zu steigen und die Aufführung niederzuschreien. Trotzdem erlebten diese glücklichen Ahnungslosen an jenem Abend die Geburtstunde des „Absurden Theaters“.

Ein kurzer Blick auf die Handlung:
Der primitive, feige, gefräßige und machtbesessene Père Ubu wird von seiner Frau, Mère Ubu, angestiftet, durch ein Massaker an dem ehrbaren König Venceslas und seiner Familie den polnischen Thron zu usurpieren. Mit der Unterstützung des Hauptmanns Bordure und seiner Spießknechte gelingt Ubu der tödliche Staatsstreich und er wird zu einem relativ populären Herrscher, bis er – gleichsam als erste Regierungsmaßnahme – beschließt, zum Zwecke seiner persönlichen Bereicherung sämtliche Adeligen und Staatsbeamten hinrichten (d. h. „enthirnen“) zu lassen. Ubus nicht weniger radikale Steuerpolitik beinhaltet nicht nur die unbegründete Vervielfachung aller direkten und indirekten Steuern, sondern auch deren gewaltsame Eintreibung durch den König höchstselbst. Als Ubu die polnische Bevölkerung immer mehr zu tyrannisieren beginnt, animiert der nunmehr abtrünnige Bordure den russischen Zaren Alexis dazu, gegen den entfesselt mordenden Despoten zu intervenieren. Während sich Ubu also auf dem Feldzug gegen das russische Heer befindet, wird die „Regentin“ Mère Ubu von dem rechtmäßigen Thronerben Bougrelas gestürzt, jedoch nicht ohne vorher die Staatskasse geraubt zu haben. Ubu selbst wird von der russischen Armee zwar vernichtend geschlagen, kann sich jedoch durch Feigheit und Tücke mit seiner Frau nach Frankreich flüchten, wo er sich zum maître des phynances ausrufen lassen will. (Wikipedia)

Die Handlung kommt ihnen bekannt vor?– aber ja, Jarry bedient sich hemmungslos bei Macbeth, die daraus entstandene Groteske ganz im Stile eines Rabelais, diese Orgie der Gewalt und der Wörter, dieser Geniestreich, dieses Sauf-, Rauf-, Rülps-, und Schimpfstück wurde nur einmal aufgeführt, war aber natürlich der Höhepunkt der Pariser Theatersaison 1896.

Ubu, der gasförmige und karikaturenhafte Zustand, der Dünndarm und der Glanz der Leere. Denn hier, wo vielleicht alles Stuck und Talmi ist, selbst ein Baum aus Holz – und dieser große Bluff, der den Teig der Phänomene aufgehen läßt -, spricht nichts dagegen, daß der katabatische Abwind zum Stuck und Blabla schon lange vor der Form eingesetzt hat, die die angeblich wirklichen Gegenstände heute angenommen haben – und daß alles, bevor es im krebsartigen und imaginären Zustand zur Welt kommt – nur im krebsartigen und imaginären Zustand zur Welt kommen kann – was die Dinge nicht daran hindert, weniger falsch zu sein, als man denkt, das heißt…
Es gibt die Fassade und nicht nichts dahinter. Die bauchrednerische Geschwätzigkeit von Blasen und Gedärmen ist absolut. Jedes Ding ist selbstgefällig, imaginär entstanden, ein Ödem, vielgliedriges Krebsgeschwür, ein Trauergesang. Es gibt nicht einmal die Möglichkeit, geboren zu werden und zu sterben. Das ist reserviert für den Stein, das Fleisch, das Blut, für das, was ein Gewicht hat. Für die Pataphysik sind alle Phänomene absolut gasförmig. Selbst die Anerkennung dieses Zustands, selbst das Bewußtsein des Pupses und des Juckreizes und des sinnlosen Koitus ist in keiner Weise seriös… und das Bewußtsein dieses Bewußtseins, etc. Ohne Ziel, ohne Seele, ohne Worte, und selber imaginär, aber auch notwendig, ist das pataphysische Pardox schlichtweg am Krepieren.

Jean Baudrillard

Mit der Zeit wurde der Erschaffer des Ubu selbst zum Roi Ubu. Er identifizierte sich mit der von ihm erschaffenen Gestalt und sprach über sich nur im Pluralis Majestatis. So wurde er selbst zur Kunstfigur, ohne ihn kein absurdes Theater, kein Surrealismus, kein Dada…

Nebenbei bemerkt war Jarry ein hochambitionierter Sportler, der täglich ausgiebige Fahrradtouren unternahm und dabei bis an seine Grenzen ging, gleichzeitig aber goss er unvorstellbare Mengen Alkohol (Absinth) in sich hinein, später wechselte er zum Äther, der ihm noch fantastischere Rauschzustände versprach. Alfred Jarry starb 1907 im Alter von 37 Jahren, seine letzten Worte sollen die Bitte um einen Zahnstocher gewesen sein.

uBu Roi
UBU Roi, von Alfred Jarry

 Literatur:
Jarry, Alfred: König Ubu
Drama in fünf Aufzügen. Hrsg.: Bossier, Ulrich. 80 S.
ISBN: 978-3-15-009446-4

Alfred Jarry:
„Ansichten Über das Theater“, Verlag Die Arche, Zürich; 48 Seiten; 2,80 Mark.

Ubu Fortsetzungen:
Alfred Jarry: König Ubu / Ubu Hahnrei / Ubu in Ketten, dtv (1984) ISBN 3423054263