Let‘ go on 1.6

Let‘ go on 1.6

Große Müdigkeit. Ich lege mich auf das Bett und verfolge mit letzter Aufmerksamkeit auf dem riesigen Bildschirm die Nachrichten, die Augenlider werden bleischwer. Die Seuche breitet sich überall aus, das Jahr 2020 scheint unbedingt in die Geschichte eingehen zu wollen.

Als ich aufwache, ist es schon dunkel.

Das Telefon klingelt, es ist Nina, ihre Stimme klingt aufgeregt.„Zum Glück haben Sie hierher geschafft, ich stehe unten an der Rezeption“.
“Wie geht es Kaito“?, frage ich besorgt.
„Er wird es überstehen, lassen Sie uns essen gehen, es gibt ein ausgezeichnetes Restaurant hier“, der Ton in ihrer Stimme scheint keinen Widerspruch zu dulden.„Wie haben Sie mich gefunden?“, frage ich.
Es dauert ein paar Sekunden, bis die Antwort kommt:„Das spielt jetzt keine Rolle, wichtig ist doch, dass ich da bin“.
Ich überlege kurz und sage:
„Ich bin noch nicht fertig, kommen Sie hoch, 4 auf 41“.
„Ich weiß, sagt Nina, bin schon unterwegs, wir sehen uns gleich“.

Ich öffne die Türe einen Spalt, stelle einen Schuh hinein und gehe ins Badezimmer.
Aus der Dusche heraus, sieht man zu Füßen die Stadt.

Wie konnte mich Nina so schnell finden?
Ich rasiere mich und ziehe frische Sachen an.

Nina sitzt auf dem Bettrand und blättert in einem Hotelprospekt. Sie wirft die Broschüre zur Seite und sieht mich etwas belustigt an. „Ich bin froh, dass es Ihnen gut geht, ich habe mir große Sorgen gemacht“.

Ich drehe ihr den Rücken zu und hänge die neuen Klamotten sorgsam in den Kleiderschrank.

„Warum haben Sie mir so viel Geld gegeben?“, frage ich, während ich an die Bar gehe, zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank hole, beide öffne und ihr eine davon in die Hand drücke.
„Das Geld ist von Kaito, es ist nur das Honorar für ihren Job, das hat er mir jedenfalls gesagt“.

Mathias

Über den Autor: Mathias Guthmann schreibt unter anderem für kulinarische Zeitschriften und den Schachsport. Seine Essays und Kurzgeschichten haben eine hohe Reichweite und werden in verschiedensten Fachmagazinen, auch international, publiziert. In der freien Wirtschaft berät der Autor eine Firma zu PR-Strategien.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Sven

    Unermüdlich! In Krisenzeiten ein Anker im Sturm. Eine wundervolle Geschichte. 🙂 Wenn ich jemals nochmals fliege, dann nach Japan!

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