Schach und Psychologie

Ich musste einige Tage überlegen, um einen adäquaten Text für das Saisonfinale am Sonntag zu schreiben. Für uns ging es um die Platzierung, für den Gegner aus Rheinstetten um die Relegation.

Eine bessere Ausgangslage für uBu, der Gegner war im höchsten Maße von der individuellen Leistung abhängig, wir durften die Begegnung entspannter angehen, trotzdem war das Ergebnis ungewiss.

Beeindruckt hat mich der Auftritt von Mischa Rausch gegen Ulrich Ströbel, auch ästhetisch ansprechend, ein wunderbarer Sieg. Dr. Sven Hermann hat Klasse bewiesen und ein perfektes Endspiel geliefert. Danke an Wolfgang Henn, der hochklassig gewonnen hat. Meinen schrecklichen Turm-Einsteller muss ich erwähnen obwohl ich ihn als Redakteur einfach wegschreiben könnte, es liegen aber leider Beweise vor. Klaus mit Remis und Weiler an 1 mit Verlust. An 8 muss Ignaz aufgeben, hoffnungslose Stellung, es scheint nicht gut zu laufen an diesem Tag.

Alles verdichtet sich auf den  Kampf an Brett 2, dort soll die Entscheidung fallen, ein dramatisches Duell. Michael Maurer gegen Marcus Krug. Wie viele Leser wissen, war Maurer lange Zeit bei uBu und hat großartige Kämpfe geliefert, die Kontrahenten kennen sich. Wer hat nun den gößeren Druck, wer muss die Partie gewinnen?  Maurer spielt gut, Marcus muss einen Turm geben und steht de facto auf Verlust, eine Stellung die üblicherweise zur Aufgabe bewegt, noch gibt es aber Züge.

Eine lange Königswanderung beginnt, das Ziel ist strategischer Natur, ein Bauer auf der A-Linie muss angegriffen werden um das Schlimmste zu verhindern, es sind einzige und gute Züge die Marcus in dieser Phase der Partie spielt.
Plötzlich geht das Spiel nicht mehr über die Mathematik, sondern über die Psyche, über den Willen. Michael begreift das zu spät, beginnt zu zweifeln, zu zaudern.

Es kommt zu einem Damen-Endspiel, eine Überraschung, ein Coup. Ob dieser Wendungen muss eine Art Desillusion bei Maurer stattgefunden haben. Der Wald von Birnam  kommt nach Dunsinane, ein unmöglich Ding wird zur bitteren Realität, zur Gewissheit. Darunter leidet das Ego, Verzweiflung ist das Ergebnis. Am Ende streckt Michael Maurer die Waffen, der Kampf ist vorbei.

Rheinstetten 3.5, uBu 4.5

3 Gedanken zu „Schach und Psychologie

  1. Zum Glück gibt’s den Mathias als Berichteschreiber, danke für Deine wertvolle Arbeit. Es gibt à propos einen lesenswerten Kommentar zum aktuellen Oberligaspieltag auf der Webseite des SK Ettlingen, in dem Philipp Neerforth die Zusammenhänge zwischen Schach und Psychologie aufzuzeigen versucht…

  2. Schöner Bericht, Mathias! Kompliment.

    Es war wirklich spannend! Nach meiner Rechnung hätten wir selbst noch bangen müssen (i.S. Relegationsplatz), wenn wir verloren hätten, genauer: wenn wir zu hoch verloren hätten. Hätten … Aber unsere Mannschaft hat Nervenstärke gezeigt. 🙂

    Übrigens: Den Kommentar von Neerforth konnte ich nicht finden.

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