TV Neuenbürg – SC uBu 3:5

Hoch den Krug!

HochdenKrug

Die Überschrift des Mannschaftskampfes gegen Neuenbürg konnte nur einem gewidmet werden – unserem Mannschaftscaptain Marcus Krug. Er legte eine wohlschmeckende *Zukertort Partie hin! Seine, mit den schwarzen Steinen, geführte Partie an Brett 2 war wirklich wie aus einem Zuckerguss. Ästhetisch für den Außenstehenden, im Gegenzug kompromisslos präzise für den Gegner. Im Eiskunstlauf gäbe es dafür die Höchstnote 6,0, welche mit perfekt und fehlerlos deklariert wird.

Doch was machten unsere anderen Bretter?

Brett 1, Wolfgang Weiler: Er knetete mit einer störrischen Ruhe seinen Gegner fünfeinhalb Stunden durch. Es war die letzte noch laufende Partie, zu diesem Zeitpunkt stand es 3:4 zu Gunsten für uns. Er hätte jederzeit das Remis annehmen können, wir hätten dennoch den Mannschaftskampf gewonnen, aber er zeigte allen  seine Technik, gepaart mit taktischer List und gewann seine Partie!

Brett 3, Wolfgang Henn: Wolle durchlebte während seiner Partie wohl ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst klar besser gestanden, dann den Vorteil wieder hergegeben und unklar ob´s zum Sieg reicht. Letztlich kam er zum Remis, was im Kontext zur Mannschaft völlig in Ordnung war, da sich bereits unser Sieg abzeichnete.

Brett 4, der Autor dieser Zeilen: So richtig enttäuscht war ich erst, als ich Sonntag abends, mit Hilfe der Schachsoftware Fritz, meine Partie analysierte. Ich bekam die ernüchternde Bestätigung, dass mein Endspiel tatsächlich gewonnen ist! Ich spielte, mit Schwarz, eine grundsolide Verteidigung. Nach dem Blutbad auf e5, wo sich gefühlt das halbe Brett abtauschte, hatte ich locker den Anzugsvorteil meines Gegners ausgeglichen. Seine Aura signalisierte mir auch mehrfach, dass er einem Remis nicht abgeneigt wäre. Ich spielte jedoch weiter, ganz im Sinne Carlsen´s, und versuchte mit Pressing in ein gewonnenes Endspiel zu münden. Just in dem Moment, als mir dies gelang, schaute ich nicht lange genug in die Stellung und zog a´Tempo den naheliegendsten Zug, der leider nur zum Remis reichte. Wirklich ärgerlich, da ich nachträglich betrachtet, absolut begründet weitergespielt habe und den Sieg auf der Hand hatte.

Brett 5, Klaus Brück: Hier waren wir wohl alle überrascht, das Klaus an diesem Tag die Waffen strecken musste! Normalerweise ist Klaus mit Weiß eine Bank, da brennt nicht viel an. Vermutlich war es eine ungewohnte Stellung, die sich aus der Eröffnung heraus entwickelte und Klaus daneben greifen ließ. Jeder kennt das, es gibt Stellungstypen die einem einfach nicht liegen, da kann dann sowas schonmal passieren. Klaus wirds wieder besser machen, das ist außer Frage!

Brett 6, Mathias Guthmann: Hier komme ich gleich zum Schluss; eine listige, bekannte Taktik rettete Mathias das Remis! Sein Gegner, der gerade seinen Bauern zur Dame umwandelte, übersah im sicheren Glauben des Sieges, diese taktische Pointe völlig! Mathias König stand auf Patt, seine Bauern waren blockiert, nur noch der Turm konnte ziehen. Also was macht man in dieser Situation? Richtig, man wirft ihn dem gegnerischen König zum Fraß hin, gepaart mit einem Schachgebot! Versucht der König dem Turm zu entkommen, verfolgt dieser ihn bis ans Ende der Welt. Klasse von Mathias, der natürlich genau auf dieses Szenario die Züge davor ausrichtete!

Brett 7, Mischa Rausch: Unser Jüngster, mittlerweile nicht mehr aus der Ersten wegzudenken, kam zu einem schönen Weißsieg. Seine taktisch angelegte Partien gefallen mir jedes mal aufs neue. Ein überzeugender Sieg von Mischa!

Brett 8, Moritz Kühner: Nach 18 Zügen war hier bereits Remisschluss, ein friedliches Großmeisterremis? Nein, die Kurzpartie war voller Energie, taktisch hochinteressant und besser für Moritz – und das mit Schwarz!

Hier die Stellung, nach dem 13. Zug von Weiß, Dd1-g4

Klarmann-Kühner

Moritz konterte mit … 13. Sxe5!, was ein loderndes Feuer auf dem Brett entfachte! Nach 14. Dxg7 Sxd3 + 15. Kd1 Sb2 + 16. Ke1 Sd3 + 17. Kd1 Sb2+ 18. Ke1 Sd3+ wurde das Kind in der Wiege zum Remis geschaukelt.

Letztlich ein ungefährdeter Sieg für uns, so kann es gerne weiter gehen.

Hier noch die Einzelergebnisse im Überblick:

1 Dieterle,Patrik 1917 Weiler,Wolfgang 1996 0 1  
2 von Ehr,Martin 1902 Krug,Marcus 2021 0 1  
3 Dathe,Christian 1823 Henn,Wolfgang 1871 ½ ½  
4 Klarmann,Klaus 1818 Lutz,Jürgen 1868 ½ ½  
5 Hermann,Ulrich 1665 Brück,Klaus 1845 1 0  
6 Gehring,Lutz 1658 Guthmann,Mathias 1577 ½ ½  
7 von Wilke,Andreas 1501 Rausch,Michael 1500 0 1  
8 Klarmann,Simon 1500 Kühner,Moritz 1417 ½ ½  
 

 

* in Anlehnung an den polnisch-deutschen Schachmeister Johannes Hermann Zukertort   1842 – 1888

 

 

SC uBu – SF Illingen 4,5:3,5

“Irgendwo falsch abgebogen…”

erläuterte Wolles Gegner in der Post-mortem-Analyse, nachdem er kurz zuvor auf die “Weiterfahrt” verzichtete. Diese Einschätzung bringt es ganz gut auf den Punkt. Wolle kam tatsächlich recht früh, in der Partie, auf die Überholspur und blieb auf dieser bis zum Schluss. Ich könnte es auch als einen Einbahnstraßensieg bezeichnen. 1:0 für uBu nach ca. zweieinhalb Stunden durch den Schwarzsieg von Wolle an Brett 3.

In unserem Team fehlten verletzungsbedingt Klaus, der immer für ein Tor gut ist, sowie Mannschaftskapitän Marcus, der, auf eigenen Wunsch, ein Spiel pausierte. Er war dennoch vor Ort und gab moralische Unterstützung, eben wie es sich für einen Captain gehört! Somit fehlten uns zwei Goalgetter, es mussten also andere die Tore schiessen!

Nach Wolles Führungstreffer hätten wir eigentlich Sicherheit gewinnen müssen, leider kam es ( wie so oft beim Sport ) jedoch anders. Den Gästen aus Illingen gelang der Ausgleichstreffer an Brett 8. Rodrigo, der eigentlich ganz gut aus der Eröffnung rauskam, verzettelte sich im Mittelspiel, so das er letztlich aufgeben musste. Schade für ihn, aber passiert jedem mal. Mund abwischen, beim nächsten Mal läuft es wieder besser.

Die Gäste hatten nun ihre stärkste Phase des Spiels. Toooor zum 1:2 für Illingen! Moritz an Brett 7 konnte seine Stellung nicht mehr halten. Auch hier sehr schade, weil beim Blick auf dessen Partie, am Anfangsstadium, verhieß zunächst Gutes. Moritz kam mit Schwarz gut aus der Eröffnung heraus, eroberte Raumgewinn am Damenflügel und nistete ein Rössl´auf b3 ein. Ne Stunde später jedoch gelang seinem Gegner der Durchbruch im Zentrum mit Drohungen gegen den schwarzen Monarchen. Auch hier, Mund abwischen, Moritz wird seine Tore noch schiessen, da bin ich mir ganz sicher!

Beim Blick auf das Nachbarbrett 5, wo Mathias eigentlich ein Gourmetgericht auf den Teller zaubern wollte, ließ meine Zuversicht nicht gerade wachsen. Mathias kam zunächst, mit Schwarz, gut aus der Eröffnung. Er anektierte wichtige Zentralfelder und stand mehr als solide, mit Schwarz kann man das als Erfolg werten! Beim Versuch, die gegnerische Dame zu fangen, unterlief ihm jedoch leider ein Loch in der Berechnung. Nicht genug, dass er die Dame nicht fangen konnte, nein, bei ihrem “Fluchtversuch” vernaschte die Dame in Weiss gleich noch nen Läufer von Mathias. Dieser Figur rannte er nun schon längere Zeit hinterher. Er versuchte die Stellung in taktische Gewässer zu leiten, immer in der Hoffnung, dass sein Gegner viell. auch daneben greift.

Doch dann ein gute Nachricht von Brett 2! Zacharias gelang der Ausgleichstreffer zum 2:2! Er vollendete seine Angriffspartie im Stile Tals. Ich würde es als ein Spiel auf ein Tor bezeichnen, weil Weiß von Beginn an am Drücker war und Schwarz außer reagieren nichts eigenständiges unternehmen konnte. Mir gefiel diese Partie sehr gut, weil sie wie ein roter Faden durchstrukturiert bis zum Ende war!

Leider musste kurze Zeit später Mathias die Segel streichen. Er hatte wirklich alles versucht und tapfer weiter gekämpft, meinen Respekt Mathias! Zu unserem Bedauern war sein Gegner jedoch hellwach und zeigte keinerlei Schwäche. Er schipperte die Partie, letzten Endes, souverän nach Hause. 2:3!

Wieder lagen wir in Rückstand bei noch drei verbleibenden Brettern. Da ich sonst nichts besseres zu tun hatte, dachte ich mir, könntest ja selber mal ein Tor schiessen! Gesagt getan, 3:3! Mein Gegner leistete sich beim Übergang aus der Eröffnung ins Mittelspiel zwei, drei ungenaue Züge und gelang ins Hintertreffen. Erstaunlich wie schnell die schwarze Stellung dann floppte. Der Besuch der alten Dame auf h7 leitete den schwarzen Untergang ein, ein paar Züge später war die ganze Verteidigung paralysiert. Auch hier gabs nix mehr zu halten…

Kurz vor Spielschluss gingen wir endlich wieder in Führung! Wolfgang, Brett 1, wendete die sit-and-wait Taktik an. Selbst so gut es geht fehlerfrei spielen und darauf warten, dass der Gegner mal daneben langt. Sein Plan ging auf, er nutzte sofort die Gelegenheit aus, nachdem der Weiße daneben griff! Die lässige Art und Weise imponierte mir hier sehr, auf Wolfgang ist eben Verlass!

Somit 4:3 für uns bei noch einer verbleibenden Partie. Unsere ganzen Hoffnungen lasteten nun auf den Schultern unseres Jüngsten – Mischa! Er hatte die ganze Partie über offensiv gegen den Schwarzen König gespielt, zunächst jedoch taktisch kein entscheidendes Durchkommen erzielt. Er fand sich in einem Bauernendspiel wieder, was selbst erfahrene, langjährige Spieler schon vor ihm vergeigt haben. Nicht jedoch Mischa! Er meisterte das Endspiel souverän, hätte evtl. sogar gewinnen können, aber sein ungefährdetes Remis fühlte sich für uns sowieso wie ein Sieg an. Er steuerte den spielentscheidenden halben Punkt zum 4,5 : 3,5 für uns bei! Unter diesem Druck, der auf dir lastete, eine ganz tolle Vorstellung, Mischa!

Noch ein persönliches Statement von mir, das sicherlich viele Ubuianer mit mir teilen, zu unserem Gegner aus Illingen. Durch die Umlegung in die Bereichsliga 4, welche mit vielen Pforzheimer Mannschaften belegt ist, kamen wir erstmals in Kontakt mit Illingen. Eine sehr sympathische Truppe, die nach vielen Jahren Bezirksklasse, letzte Saison den Wiederaufstieg in die Bereichsliga schafften. Dies zeigten sie mit stolzer Brust auf den Vereinstrikots. Von hier aus drücken wir euch die Daumen zum Klassenerhalt und das wir uns nächste Saison, in der Bereichsliga, wieder sehen!

Viktor Korchnoi ist tot

Von Stefan64 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17022617
Von Stefan64 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17022617

Im Alter von 85 Jahren verstarb  der große Viktor Kortschnoi, viermaliger Meister der Sowjetunion. In den 70er Jahren verlor er den WM-Kampf gegen Karpow, wurde aber zur Legende.
Im Hintergrund spielte stets die Politik eine große Rolle, Kortschnoi  kritisierte das Sowjet-Regime und floh schließlich 1976 aus dem Land. Frau und Sohn mussten in der Sowjetunion verbleiben. Karpow hatte damals das Schach-Establishment auf seiner Seite, Kortschnoi wurde als Verräter stigmatisiert.
Den Weg in die Geschichtsbücher fanden auch die Duelle gegen Robert Hübner. Kortschnoi hatte einen unbändigen Willen, Disziplin, Energie und eine Riesenportion „Biss“.
Selbst im hohen Alter konnte „Viktor der Schreckliche“ wie er gerne von seinen Gegnern genannt wurde, noch sehr gut mithalten, er spielte lange Zeit unter den Top 100.  Ein Schlaganfall vor wenigen Jahren konnte ihn nicht daran hindern, den geliebten Sport weiter  zu betreiben.
Mit Kortschnoi verliert die Schachwelt einen der ganz Großen!

Schachaccessoires, die sich nicht durchgesetzt haben

  • Springerstiefel in weiß
  • Remisen
  • Bauernopferaltar
  • Falscher Damenbart
  • Caro-Kaffee
  • Routenplaner – Edition “A1 – A8” (auch als “B1 – B8” erhältlich)
  • Spanische Eröffnungsfliege
  • Mattigel
  • Zugunglücksbringer
  • Läufer in Originalgröße (1,5 x 7 cm, handgewebt)
  • DVD-Kollektion: “Das Beste von Patt & Pattachon”
  • alles von Bobby Fischertechnik

Schach und Psychologie

Ich musste einige Tage überlegen, um einen adäquaten Text für das Saisonfinale am Sonntag zu schreiben.

Für uns ging es um die Platzierung, für den Gegner aus Rheinstetten um die Relegation. Eine bessere Ausgangslage für uBu, der Gegner war im höchsten Maße von der individuellen Leistung abhängig, wir durften die Begegnung entspannter angehen, trotzdem war das Ergebnis ungewiss.

Beeindruckt hat mich der Auftritt von Mischa Rausch gegen Ulrich Ströbel, auch ästhetisch ansprechend, ein wunderbarer Sieg. Dr. Sven Hermann hat Klasse bewiesen und ein perfektes Endspiel geliefert. Danke an Wolfgang Henn, der hochklassig gewonnen hat. Meinen schrecklichen Turm-Einsteller muss ich erwähnen obwohl ich ihn als Redakteur einfach wegschreiben könnte, es liegen aber leider Beweise vor. Klaus mit Remis und Weiler an 1 mit Verlust. An 8 muss Ignaz aufgeben, hoffnungslose Stellung, es scheint nicht gut zu laufen an diesem Tag.

Alles verdichtet sich auf den  Kampf an Brett 2, dort soll die Entscheidung fallen, ein dramatisches Duell. Michael Maurer gegen Marcus Krug. Wie viele Leser wissen, war Maurer lange Zeit bei uBu und hat großartige Kämpfe geliefert, die Kontrahenten kennen sich. Wer hat nun den gößeren Druck, wer muss die Partie gewinnen?  Maurer spielt gut, Marcus muss einen Turm geben und steht de facto auf Verlust, eine Stellung die üblicherweise zur Aufgabe bewegt, noch gibt es aber Züge.

Eine lange Königswanderung beginnt, das Ziel ist strategischer Natur, ein Bauer auf der A-Linie muss angegriffen werden um das Schlimmste zu verhindern, es sind einzige und gute Züge die Marcus in dieser Phase der Partie spielt.
Plötzlich geht das Spiel nicht mehr über die Mathematik, sondern über die Psyche, über den Willen. Michael begreift das zu spät, beginnt zu zweifeln, zu zaudern.

Es kommt zu einem Damen-Endspiel, eine Überraschung, ein Coup. Ob dieser Wendungen muss eine Art Desillusion bei Maurer stattgefunden haben. Der Wald von Birnam  kommt nach Dunsinane, ein unmöglich Ding wird zur bitteren Realität, zur Gewissheit. Darunter leidet das Ego, Verzweiflung ist das Ergebnis. Am Ende streckt Michael Maurer die Waffen, der Kampf ist vorbei.

Rheinstetten 3.5, uBu 4.5

Agon(ie) in Moskau

Zur Zeit läuft in Moskau das wohl best besetzte Turnier seit langer Zeit. In diesem Kandidaten-Match wird der Gegner ermittelt, der dann im November gegen Weltmeister Carlsen spielen darf.

Caruana, Karjakin, Anand, Giri, Topalov, Nakamura, Aronian und Svidler, das sind die wohlklingenden Namen die sich zu diesem Schach-Mega-Event in der russischen Hauptstadt eingefunden haben. Täglich sitze ich gebannt vor meinem Laptop um die teilweise wirklich hochklassigen und sehr spannenden Begnungen anzuschauen.

FIDE und Agon

Genau da aber liegt das Problem. Die FIDE hat die Eventfirma Agon mit der Übertragung der Partien beauftragt,  die Verantwortlichen des Unternehmens verhalten sich wie archaische Feudal-Fürsten vor 400 Jahren. Die Weitergabe der Züge ist strengstens untersagt, will man die Partien Online verfolgen, so muss man sich entweder per E-Mail oder mit einem Facebook Account einloggen, gleichzeitig verpflichtet man sich damit über das Geschehen an den Brettern Stillschweigen zu bewahren. Übrigens gilt das gleiche (in verschärfter Form) für die Besucher, die vor Ort die Partien verfolgen. Schachzüge sind ja im Prinzip nichts anderes als Sport-Ergebnisse, es gibt bisher de facto und de jure keine Handhabe für das Vorgehen von Agon, trotzdem werden Zuwiderhandlungen mit drakonischen Strafen belegt, man spricht in Moskau von bis zu 10 Jahren Haft.

Übertragung ins Internet

Soweit die gute Nachricht, nun die schlechte: Die Übertragung ist hundsmiserabel. Zwischendrin wird immer wieder martialische Werbung eingespielt, mit einem wagnerianischen Klangteppich. Diese Werbeblöcke gehen manchmal gut und gerne über 10 Minuten lang, in der Zeit wird man dann unter anderem mit den Vorzügen der neuesten fahrbaren Untersätze einer in Bayern ansässigen Automobil-Firma belästigt. Alles, was heute zu Tage als ganz normaler Standard gilt, wie zum Beispiel die Direktanalyse per Engine fehlt bei Agon. Man darf froh sein, dass es einen Daniel King gibt, der dann nach den Partien wie immer sehr gute Video-Analysen liefert, wie gesagt, erst nach den Partien. Natürlich darf die Schachwelt sich freuen, wenn neue Sponsoren gefunden werden, ich höre aber eine Nachtigall trapsen, wenn der Name Agon erwähnt wird, man hat den wohl berechtigten Eindruck, dass hier versucht wird eine Monopol-Stellung aufzubauen, kein schöner Zug.

Skandale und Skandälchen

Kein ordentliches Schachturnier ohne den entsprechenden Skandal. Den gab es diesmal in der Partie Aronjan (Armenien) gegen Nakamura (USA). Was war passiert? Ein „Berührt-Geführt-Fehler“, Nakamura schappte sich den König, hielt in kurz in der Hand, um dann wohl festzustellen, dass der Königszug sofortigen Partieverlust bedeuten würde, deshalb hauchte er noch ein verzweifeltes „Ajust“ in den mit Spannung aufgeladenen Schach-Äther, aber zu spät. Der Schiedsrichter hatte zu recht kein Erbarmen. Angeblich soll es noch zu gegenseitigen Beschimpfungen gekommen sein, wandelt da jemand auf Bobby Fischers Spuren?

Schachliches

Glanz und Elend liegen nah beisammen in Moskau. Altmeister Anand spielt einen Tag auf allerhöchstem Niveau, am nächsten Tag lässt er sich dann von Badboy Nakamura nach allen Regeln der Kunst zerlegen. In Führung liegt der Russe Krajakin, der sich am Ende wohl ein Duell mit Caruana (USA)  liefern wird, obwohl ich an dieser Stelle den Tiger von Madras noch nicht ganz abschreiben will, an der Spitze geht es eng genug zu. Heute ist Ruhetag, Ostersonntag und Ostermontag wird sich das Turnier dann entscheiden.

hier geht es zur verachtungswürdigen website des Veranstalters…

Wiesental und uBu trennen sich mit einem Remis

Vielleicht hätten wir in dieser Begegnung mehr erreichen können oder gar müssen. Individuelle Fehleinschätzungen, falsch behandelte Eröffnungen, Gewinnstellungen die leichtfertig aus der Hand gegeben wurden,  all diese Faktoren rechtfertigen letztendlich ein leistungsgerechtes Remis, damit können wir einigermaßen leben.

Brett 1, Volker Widmann gegen Wolfgang Weiler, darf man diese Partie als Klassiker bezeichnen? Statistischer Hintergrund fehlt mir, jedenfalls zwei große Namen, zwei erfahrene Spieler. Am Sonntag aber eine klare Sache, unser Mann setzte sich brachial durch, ungewohnt schnell, gewohnt sicher.

An 2 Krug gegen Martus. Zu Anfang ein starker Auftritt von Marcus, dann eine Fehleinschätzung, verfrühter Aufmarsch des b-Bauern. Adieu Gewinn-Träume, Remis, so eines, das man gerne gleich wieder vergisst.

Gratulation an Moritz Kühner, der gegen seinen Gegner Andreas Schmitt (+300 DWZ!!), ein wunderbares Remis erkämpfte, bravissimo!

Werner Ams hatte gegen Wolfgang Henn an 6 keine Chance. Mit einer Qualität weniger auf Gewinn zu spielen, das ist nun einmal den Meistern vorbehalten, das braucht einen Plan, das braucht Rechentiefe, das braucht einfach Klasse. Die fehlte ein klein wenig am Sonntag bei Ams, klar nach Hause geschaukelt von Henn.

Ein Schock war die Partie Frank Rothardt gegen Jürgen Lutz an 5. Ein kurzer Blick auf das Brett reichte aus, um die Gewinnstellung unseres Mannes zu diagnostizieren. 2 gegnerische Springer sahen gefährlich aus, waren dennoch Zinnsoldaten. 2 schlechte Züge schmissen die Partie weg, dabei war der Sieg so greifbar nahe.

Mischa an 7 gegen Heinz Martus. König offen, brutaler Angriff, verloren. Ich finde, er schlägt sich trotzdem großartig, Mischa spielt mutig und überlegt, nur eine Frage der Zeit, bis sich nachhaltige Erfolge einstellen.

An 4 spielte ich gegen Hubert Heilig (DWZ 1802). Keine Meisterleistung, weder von mir noch von Hubert. Eigentlich total niveaulos, Kaffeehaus-Schach, Sonntagspartie, Schattenboxen. Vielleicht stand ich zwischendrin sogar auf Gewinn, hätte es aber nicht verdient, Remis ok.

Dann noch Sven Hermann gegen Amann. Auch hier wieder eine klare Sache, der Sieg war eine Sache von wenigen Zügen. Der Imperativ bei Schachaufgaben: Finden Sie den Gewinnzug! Der Imperativ gegen Wiesental: Stellen Sie die Partie schnellstmöglich ein!
Im Endspiel wird halt nicht jongliert. Deswegen: Remis

Durchwachsene Leistung, insgesamt haben wir nicht mehr verdient, an diesem verflixten Sonntag.

Zukunftsvisionen, Chess Akademie Baku

Mal etwas ganz anderes. Baku ist ja die Geburtstadt meines Schach-Idols Gary Kasparow. Inzwischen ist er ja politisch unterwegs, kürzlich hat er aber sogar noch ein Schnellschach-Turnier gespielt. Nun gibt es eine sehr interessante Architektur-Studie von der COOP Himmelblau, das ist ein Architekturbüro, international tätig. Die 3D Renderings zeigen die Planung der Schach-Akademie in Baku, äußerst interessant, wird aber nie gebaut werden, jedenfalls nicht bei den Ölpreisen zur Zeit, denn davon lebt die Wirtschaft Aserbaidschans. Meiner Meinung nach ist hier ein wenig bei Oscar Niemeyer abgeschaut worden, die FIFA-Zentrale in Genf schaut  sich dagegen wie eine Hundehütte aus. Vielleicht sollte man noch etwas an der nutzbaren Fläche arbeiten, 7000 Quadratmeter sind doch ein wenig zu knapp bemessen.

chessacademy1

Zukunftsvisionen, Chess Akademie Baku weiterlesen

Ein Stadtmeister in den Reihen des uBu

10. Stadtmeisterschaft_Lutz_Zoellmer_Freymann
Foto: Schachclub Leinfelden

Gratulation an Jürgen Lutz, der als Gastspieler die 10. Leinfeldener Stadtmeisterschaft für sich entscheiden konnte! Am Ende siegte er ungeschlagen mit 5,5 aus 7 vor Titelverteidiger  Fritz Zöllmer. Wenn das einmal kein Trost für diese letzte Partie in der Verbandsrunde ist, Bravo!

Wie sagt man so schön:

A Day for the Hunter, a Day for the Prey

SC uBu 2: Niederlage gegen Durlach 2

Ebenso wie die erste Mannschaft mussten wir unser Heimspiel auf fremden Terrain austragen. Dies geschah im Heimspiellokal unseres Gegners aus Durlach. An dieser Stelle nochmals Danke für das Aufnehmen der zweiten Mannschaft und die Gastfreundschaft.

Es kamen folgende Paarungen zustande.

Foto

SC uBu 2: Niederlage gegen Durlach 2 weiterlesen